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Drogenlexikon: Science & Facts

Amphetamin-Penis: Wenn der Kopf will, aber der „Pepp-Pimmel“ nicht

Amphetamin-Penis: Wenn der Kopf will, aber der "Pepp-Pimmel" nicht

Umfassendes Drogenlexikon von NeelixberliN – Wissenschaftlich fundiert, ehrlich und aktuell

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Hey Du, heute reden wir Klartext über ein Thema, das fast jeder kennt, der schon mal auf Speed, Koks oder anderen Uppern unterwegs war, aber über das kaum jemand offen spricht: der berüchtigte „Amphetamin-Penis“ oder, wie er in der Szene oft genannt wird, der „Pepp-Pimmel“.

Dein Kopf ist voller Lust, du bist sexuell maximal erregt, aber dein Penis macht genau das Gegenteil von dem, was er soll. Er zieht sich zurück, wird klein, kalt und fühlt sich an wie ein Fremdkörper. Das ist nicht nur frustrierend, sondern kann zu extremer Verunsicherung und Panik führen. Lass uns ohne Tabus checken, was da biologisch abgeht und was du tun kannst.

🧠 Der Feind der Erektion: Wie Amphetamin deinen Körper austrickst

Das Phänomen „Amphetamin-Penis“ (Englisch: „Stim Dick“) ist keine Einbildung. Es ist eine direkte, physiologische Reaktion deines Körpers auf die Wirkung von Stimulanzien. Um zu verstehen, warum das passiert, brauchst du nur ein Wort zu kennen: Vasokonstriktion.

  • Was ist Vasokonstriktion? Es bedeutet Gefäßverengung. Stimulanzien wie Amphetamin, Kokain oder MDMA versetzen dein vegetatives Nervensystem in den „Kampf-oder-Flucht“-Modus (Sympathikus-Aktivierung). Dein Körper denkt, er sei in höchster Gefahr.
  • Die Folge: Er zieht das Blut aus den „unwichtigen“ äußeren Extremitäten (Haut, Finger, Zehen und eben auch dem Penis) ab und pumpt es in die überlebenswichtigen Organe und großen Muskelgruppen, um eine Flucht oder einen Kampf zu ermöglichen.
  • Was braucht eine Erektion? Eine Erektion funktioniert genau umgekehrt. Sie benötigt Vasodilatation (Gefäßerweiterung) und wird vom „Ruhe-und-Verdauungs“-Nervensystem (Parasympathikus) gesteuert. Die Schwellkörper im Penis müssen sich entspannen und maximal mit Blut füllen können.

Einfach gesagt: Dein Kopf schreit „LUST!“, aber dein Körper ist im Überlebensmodus und schreit „FLUCHT!“. Der Überlebensmodus gewinnt immer.

🧠 Sympathikus vs. Parasympathikus: Der Kampf in deinem Körper

Dein autonomes Nervensystem hat zwei Hauptspieler, die wie Gaspedal und Bremse wirken. Speed tritt voll aufs Gas und blockiert die Bremse.

  • Der Sympathikus (Gaspedal): Verantwortlich für „Fight or Flight“. Er wird durch Stimulanzien massiv aktiviert. Er schüttet Adrenalin und Noradrenalin aus, was zu Herzrasen, erhöhtem Blutdruck und eben der Vasokonstriktion (Gefäßverengung) führt.
  • Der Parasympathikus (Bremse): Verantwortlich für „Rest and Digest“ – und für sexuelle Erregung. Er steuert die Vasodilatation (Gefäßerweiterung), die notwendig ist, damit die Schwellkörper im Penis sich mit Blut füllen können.
  • Der Konflikt: Speed und andere Stimulanzien erzeugen eine so starke Dominanz des Sympathikus, dass der Parasympathikus quasi keine Chance hat. Dein Körper kann nicht gleichzeitig um sein Überleben kämpfen und sich auf eine Erektion vorbereiten.
Künstlerische Darstellung der Vasokonstriktion, bei der Amphetamin den Blutfluss zum Penis blockiert und eine Erektion verhindert.
Vasokonstriktion ist der Hauptgrund für den „Amphetamin-Penis“. Dein Körper leitet im „Kampf-oder-Flucht“-Modus das Blut aus dem Penis weg.

🔄 Kopf will, Körper kann nicht: Der psychologische Teufelskreis

Das biologische Problem ist nur die halbe Miete. Richtig schlimm wird es oft erst durch die psychologische Reaktion darauf, die zu einem Teufelskreis führt.

  1. Versagensangst: Du bist sexuell erregt, willst loslegen, aber dein Körper macht nicht mit. Das führt zu massivem Stress und Versagensängsten.
  2. Adrenalin-Verstärkung: Dieser Stress sorgt für eine zusätzliche Ausschüttung von Adrenalin, was die Vasokonstriktion und die „Kampf-oder-Flucht“-Reaktion noch weiter verstärkt.
  3. Der Teufelskreis: Du willst es immer mehr, und genau deshalb funktioniert es immer weniger. Die Anspannung im Kopf macht das körperliche Problem schlimmer.
  4. Langfristige Folgen: Diese negativen Erfahrungen können sich im Kopf festsetzen und zu einer handfesten, psychisch bedingten Erektionsstörung führen, selbst wenn du nüchtern bist. Die Angst vor dem Versagen wird zum selbsterfüllenden Problem.

🔄 Der Teufelskreis der Versagensangst

Die psychologische Komponente ist oft schlimmer als die rein körperliche. Das Problem verstärkt sich selbst in einer Abwärtsspirale.

  1. Auslöser: Die Droge verursacht die anfängliche Erektionsstörung (Vasokonstriktion).
  2. Gedanke: „Oh Gott, es funktioniert nicht. Ich versage. Was ist los mit mir?“
  3. Emotion: Panik, Stress, Scham, Angst.
  4. Körperliche Reaktion: Der Körper schüttet als Reaktion auf diesen psychischen Stress noch mehr Stresshormone (Adrenalin, Cortisol) aus.
  5. Verstärkung: Diese zusätzlichen Stresshormone verstärken die sympathische „Kampf-oder-Flucht“-Antwort und damit die Gefäßverengung noch weiter.

Dieser Kreislauf kann so traumatisch sein, dass die Angst vor dem Versagen auch im nüchternen Zustand zu Erektionsproblemen führt. Das nennt man dann eine psychogene Erektionsstörung.

💪 Was tun? Safer Use & langfristige Lösungen

Im akuten Moment kannst du die Vasokonstriktion kaum stoppen. Aber du kannst lernen, damit umzugehen und die Risiken für deine sexuelle und psychische Gesundheit zu minimieren.

Im Rausch:

  • Akzeptieren, nicht kämpfen: Mach dir klar, dass es eine normale, chemische Reaktion deines Körpers ist. Es hat nichts mit dir, deiner Lust oder deiner Männlichkeit zu tun. Je mehr du dagegen ankämpfst, desto schlimmer wird es.
  • Druck rausnehmen & Kommunikation: Sprich offen mit deinem Partner/deiner Partnerin. Erkläre, was los ist. Das nimmt sofort den Druck raus.
  • Fokus ändern: Sex ist mehr als Penetration. Konzentriert euch auf andere Dinge, die funktionieren und Spaß machen: Zärtlichkeit, Oralsex, manuelle Stimulation.
  • Dosis checken: Das Problem tritt meist bei hohen Dosen oder beim ständigen Nachlegen auf. Weniger ist hier definitiv mehr.
  • Hydriert bleiben: Viel Wasser trinken kann helfen, den Kreislauf zu stabilisieren.

☠️ TODESFALLE: Stimulanzien + Viagra® (Sildenafil)

Die scheinbar logische Lösung – eine Potenzpille – ist in Wahrheit eine kardiologische Zeitbombe. Du gibst deinem Herz-Kreislauf-System zwei völlig gegensätzliche Befehle gleichzeitig.

  • Befehl von Speed/Koks: „KÄMPFE! Herz, schlag schneller! Erhöhe den Blutdruck! Verenge die Gefäße!“ (Tachykardie & Hypertonie)
  • Befehl von Viagra®/Sildenafil: „ENTSPANNE! Herz, schlag ruhiger! Senke den Blutdruck! Erweitere die Gefäße!“ (Vasodilatation & Hypotonie)

Dieser extreme Stress und die widersprüchlichen Signale können zu schweren Herzrhythmusstörungen, einem massiven Blutdruckabfall (kardiovaskulärer Kollaps), Priapismus (schmerzhafte Dauererektion) oder im schlimmsten Fall zu einem Herzinfarkt oder Schlaganfall führen. Lass die Finger von dieser Kombination!

Symbolische Darstellung der Versagensangst bei Erektionsproblemen durch Drogen, gezeigt als ein Kopf, der zur psychologischen Blockade wird.
Oft ist der Kopf das größte Problem. Die Angst vor dem Versagen verstärkt die körperliche Blockade und führt zu einem Teufelskreis aus Stress und Erektionsproblemen.

Ausführliche FAQ

🤔 Passiert das bei jedem Stimulans (Koks, MDMA, Speed)?

Ja, das Prinzip ist bei fast allen klassischen Stimulanzien dasselbe. Die Aktivierung des „Kampf-oder-Flucht“-Systems mit der Folge der Vasokonstriktion (Gefäßverengung) ist eine typische Wirkung. Das Phänomen ist daher auch als „Coke Dick“ (Kokain-Penis) bekannt. Die Intensität kann je nach Substanz, Dosis und Person variieren, aber das grundlegende Problem ist bei allen gleich.

❓ Geht das wieder weg oder ist der Schaden dauerhaft?

✅ Der direkte, körperliche Effekt während des Rausches ist temporär. Wenn die Droge den Körper verlässt, normalisiert sich der Blutfluss wieder. Die eigentliche Gefahr für dauerhafte Schäden ist psychologischer Natur: Die wiederholte negative Erfahrung kann sich als Versagensangst festsetzen und auch im nüchternen Zustand zu Erektionsproblemen führen. Chronischer, hochdosierter Konsum kann zudem das Herz-Kreislauf-System dauerhaft schädigen.

☠️ Ist die Kombination von Speed und Viagra (Sildenafil) wirklich so gefährlich?

Ja, extrem. Und potenziell tödlich. Du zwingst dein Herz, mit Höchstgeschwindigkeit zu pumpen (durch das Speed) und gleichzeitig versuchst du, deine Blutgefäße gewaltsam zu erweitern (durch das Sildenafil). Diese gegensätzlichen Befehle sind ein absoluter Schock für das Herz-Kreislauf-System und können zu Herzrhythmusstörungen, Kreislaufkollaps und im schlimmsten Fall zum Herzinfarkt führen.

Künstlerische Darstellung der lebensgefährlichen Kombination von Speed und Viagra (Sildenafil), die das Herz-Kreislauf-System extrem belastet.
Mische niemals Stimulanzien mit Potenzmitteln wie Viagra®! Die gegensätzlichen Befehle an dein Herz-Kreislauf-System können zu einem medizinischen Notfall bis hin zum Herzinfarkt führen.

NeelixberliN Fazit: Ein klares Signal deines Körpers

Der „Amphetamin-Penis“ ist mehr als nur ein nerviges Problem im Bett. Er ist ein unmissverständliches Signal deines Körpers, dass er sich im absoluten, überlebenswichtigen Ausnahmezustand befindet. Er zeigt dir die direkte, physische Konsequenz des Drogenkonsums in einem Bereich, der für viele eng mit Identität und Selbstwert verknüpft ist. Hör auf dieses Signal. Respektiere deinen Körper und spiel nicht mit deiner sexuellen und psychischen Gesundheit für einen kurzen Rausch.

🩺

Präventionsleitfaden: Psychogene Erektionsstörungen bei Stimulanzienkonsum

Ein Leitfaden für die Suchtberatung und Betroffene

1.0 Einleitung: Die Relevanz des Themas in der Suchtberatung

Für Fachpersonal in der Drogen- und Suchtberatung stellt die Auseinandersetzung mit der sexuellen Gesundheit von Klienten eine strategische Notwendigkeit dar. Die umgangssprachlich als „Amphetamin-Penis“ oder „Pepp-Pimmel“ bekannte Nebenwirkung des Stimulanzienkonsums ist dabei weit mehr als ein temporäres physisches Problem. Sie fungiert häufig als Einfallstor für langanhaltende psychische Belastungen, die den Selbstwert und die Lebensqualität der Betroffenen massiv beeinträchtigen können. Die unmittelbare Erfahrung des körperlichen Versagens trotz hoher sexueller Erregung kann eine Kaskade aus Scham, Stress und Versagensangst auslösen, die sich zu einer chronischen, psychogenen Erektionsstörung verfestigen kann – auch im nüchternen Zustand. Ein proaktiver und aufklärender Beratungsansatz ist daher entscheidend, um die sexuelle und psychische Gesundheit der Klienten nachhaltig zu schützen und einer Chronifizierung entgegenzuwirken.

Um die psychologischen Folgen adäquat adressieren zu können, ist es unerlässlich, zunächst die zugrundeliegenden körperlichen Prozesse zu verstehen, die diese Nebenwirkung auslösen.

2.0 Die physiologischen Grundlagen: Warum der Körper nicht kann, obwohl der Kopf will

Das Verständnis der physiologischen Mechanismen hinter dem Phänomen bildet die Basis für jede effektive Beratung und Prävention. Es ermöglicht eine Entstigmatisierung des Problems, indem es die Erektionsstörung nicht als persönliches oder sexuelles Versagen darstellt, sondern als eine konkrete, vorhersehbare chemische Reaktion des Körpers auf die Substanz. Diese Psychoedukation ist der erste und wichtigste präventive Schritt: Sie befähigt den Klienten, die Situation rational einzuordnen und verhindert so, dass der psychologische Teufelskreis der Versagensangst überhaupt in Gang gesetzt wird.

2.1 Der neurobiologische Konflikt: Sympathikus vs. Parasympathikus

Unser autonomes Nervensystem wird von zwei Gegenspielern gesteuert, die man sich als Gaspedal und Bremse des Körpers vorstellen kann. Stimulanzien erzeugen einen fundamentalen Konflikt zwischen diesen beiden Systemen, der eine Erektion unmöglich macht.

  • Der Sympathikus („Gaspedal“): Dieses System ist für den „Kampf-oder-Flucht“-Modus (Fight or Flight) zuständig. Stimulanzien wie Amphetamin, Kokain oder MDMA aktivieren es massiv. Der Körper schüttet Stresshormone wie Adrenalin und Noradrenalin aus, was zu Herzrasen, erhöhtem Blutdruck und einer Verengung der Blutgefäße führt. Der Organismus wird auf eine unmittelbare Gefahrensituation vorbereitet.
  • Der Parasympathikus („Bremse“): Dieses System steuert den „Ruhe-und-Verdauungs“-Modus (Rest and Digest) und ist entscheidend für die sexuelle Erregung und die Erektion. Es sorgt für die Entspannung und Erweiterung der Blutgefäße, die notwendig ist, damit sich die Schwellkörper im Penis mit Blut füllen können.

Durch den Konsum von Stimulanzien entsteht eine so starke Dominanz des Sympathikus, dass der Parasympathikus effektiv blockiert wird. Der Körper kann nicht gleichzeitig um sein Überleben kämpfen und sich auf sexuelle Funktionen vorbereiten.

2.2 Vasokonstriktion: Der zentrale Mechanismus der Erektionsstörung

Der Kern des physischen Problems lässt sich auf einen einzigen Begriff reduzieren: Vasokonstriktion (Gefäßverengung). Im durch Drogen aktivierten „Kampf-oder-Flucht“-Modus leitet der Körper das Blut strategisch um. Es wird aus den als peripher und „unwichtig“ eingestuften Körperteilen – wie der Haut, den Fingern, Zehen und eben auch dem Penis – abgezogen und in die überlebenswichtigen Organe und großen Muskelgruppen gepumpt. Dies soll eine schnelle Flucht oder einen Kampf ermöglichen.

Dieser Prozess steht im direkten Gegensatz zur Vasodilatation (Gefäßerweiterung), der Grundvoraussetzung für eine Erektion. Für diese müssen sich die Gefäße im Penis entspannen und weiten, um den Bluteinstrom in die Schwellkörper zu ermöglichen. Der durch Stimulanzien ausgelöste Zustand der Vasokonstriktion macht diesen Vorgang physiologisch unmöglich. Der Überlebensmodus des Körpers hat stets Vorrang vor der sexuellen Funktion.

3.0 Der psychologische Teufelskreis: Von der Nebenwirkung zur psychogenen Störung

Die kritische Wende vom rein physischen zum psychischen Problem ist der entscheidende Punkt in der Entwicklung einer langanhaltenden Störung. Die psychologische Reaktion auf das körperliche Versagen ist oft schädlicher und nachhaltiger als der direkte pharmakologische Effekt der Substanz. Hier entsteht die eigentliche Gefahr für die sexuelle Gesundheit des Klienten.

3.1 Die Anatomie der Versagensangst

Der psychologische Teufelskreis, der aus der initialen körperlichen Reaktion entsteht, lässt sich in fünf klar definierte Schritte unterteilen:

  1. Auslöser: Die durch die Substanz induzierte Vasokonstriktion führt zur initialen Erektionsstörung. Der Penis reagiert nicht auf die sexuelle Erregung.
  2. Kognitive Bewertung: Der Klient interpretiert das körperliche Geschehen unmittelbar als persönliches Scheitern. Typische negative Gedanken sind: „Was stimmt nicht mit mir?“, „Ich versage“, „Ich bin nicht gut genug“.
  3. Emotionale Reaktion: Diese negativen Kognitionen lösen intensive, belastende Emotionen wie Panik, akuten Stress, Scham und Angst aus.
  4. Physiologische Verstärkung: Der Körper reagiert auf diesen psychischen Stress mit einer zusätzlichen Ausschüttung von Stresshormonen wie Adrenalin und Cortisol.
  5. Verstärkung des Problems: Diese zusätzlich ausgeschütteten Stresshormone verstärken die bereits dominante sympathische „Kampf-oder-Flucht“-Antwort des Körpers und intensivieren die Vasokonstriktion. Das körperliche Problem wird dadurch fixiert und das Scheitern garantiert.
3.2 Die Chronifizierung: Entstehung einer psychogenen Erektionsstörung

Die wiederholte, als traumatisch empfundene Erfahrung dieses Teufelskreises kann sich tief im psychischen Erleben des Klienten festsetzen. Die Angst vor dem erneuten Versagen wird zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung. Das Gehirn lernt, die sexuelle Situation mit Angst und Panik zu verknüpfen, in einem Prozess, der der klassischen Konditionierung ähnelt, wodurch die Angstreaktion automatisiert wird. Diese erlernte Angstreaktion kann sich verselbstständigen und zu einer eigenständigen Störung entwickeln, die auch im nüchternen Zustand auftritt. In diesem Fall spricht man von einer manifesten psychogenen Erektionsstörung.

4.0 Beratungsstrategien: Prävention und Deeskalation

Dieser Abschnitt stellt direkt anwendbare Werkzeuge für die Beratungspraxis vor. Ziel ist es, Klienten zu befähigen, im akuten Moment deeskalierend zu handeln und langfristige psychische Schäden zu vermeiden. Ebenso zentral ist die Aufklärung über lebensgefährliche Fehlentscheidungen im Umgang mit dem Problem.

4.1 Deeskalation im akuten Moment: Safer-Use-Empfehlungen für Klienten
  • Akzeptanz statt Kampf: Raten Sie dem Klienten, die Situation als eine normale, chemische Körperreaktion zu akzeptieren und nicht als persönliches Versagen zu werten. Verdeutlichen Sie, dass jeder Versuch, eine Erektion zu erzwingen, den Stress und damit die Vasokonstriktion nur verstärkt.
  • Druckreduktion durch Kommunikation: Betonen Sie die Wichtigkeit, offen und ehrlich mit dem Partner oder der Partnerin über die Situation zu sprechen. Die Erklärung, dass es sich um eine bekannte Nebenwirkung der Substanz handelt, nimmt den Leistungsdruck aus der Situation und fördert die Intimität.
  • Fokusverschiebung: Ermutigen Sie den Klienten, Sexualität neu zu definieren und sich von der Fixierung auf Penetration zu lösen. Regen Sie an, den Fokus auf Praktiken zu legen, die funktionieren und Freude bereiten, wie Zärtlichkeit, Oralsex oder manuelle Stimulation.
  • Dosis-Management: Klären Sie den Klienten darüber auf, dass das Problem verstärkt bei hohen Dosierungen und beim wiederholten Nachlegen auftritt. Eine Dosisreduktion kann das Risiko einer ausgeprägten Vasokonstriktion signifikant senken.
  • Hydration: Empfehlen Sie dem Klienten, auf eine ausreichende Wasserzufuhr zu achten. Dies kann helfen, den Kreislauf zu stabilisieren und die allgemeine körperliche Belastung durch die Substanz zu reduzieren.
4.2 Die „Viagra-Falle“: Aufklärung über eine lebensgefährliche Kombination

Ein kritischer und potenziell lebensrettender Punkt im Beratungsgespräch ist die eindringliche Warnung vor der Kombination von Stimulanzien (wie Amphetamin oder Kokain) mit Potenzmitteln wie Sildenafil (Viagra®). Was als logische Lösung erscheint, ist in Wahrheit eine kardiologische Zeitbombe. Der Körper erhält zwei völlig gegensätzliche Befehle gleichzeitig.

Befehl durch Stimulanzien Befehl durch Sildenafil (Viagra®)
Ziel: Kampf/Flucht Ziel: Entspannung/Sex
Herzrasen (Tachykardie) Indirekte Belastung durch Blutdruckabfall
Blutdruck-Erhöhung (Hypertonie) Blutdruck-Senkung (Hypotonie)
Gefäßverengung (Vasokonstriktion) Gefäßerweiterung (Vasodilatation)

Lebensgefahr: Dieser extreme und widersprüchliche Stress für den Organismus kann zu schweren Herzrhythmusstörungen, massivem Blutdruckabfall, Priapismus, Herzinfarkt oder Schlaganfall führen.

5.0 Langfristige Perspektiven und weiterführende Hilfe

Nach der Prävention im akuten Moment muss die Beratung die Auseinandersetzung mit den langfristigen psychischen Folgen in den Mittelpunkt stellen. Hat sich bereits eine Versagensangst manifestiert, bedarf es gezielter Unterstützung.

  • Umgang mit manifestierter Versagensangst: Psychoedukation über den Teufelskreis, Validierung der Scham und Normalisierung des Problems als erlernte Angstreaktion. Botschaft: Es ist behandelbar, kein unumkehrbares Defizit.
  • Spezialisierte Hilfe:
    • pro familia: Beratung zu Sexualität & Partnerschaft.
    • DGSMTW: Fachgesellschaft für Sexualmedizin & Therapie.
    • Info-Telefon Sucht & Drogen (01806 313031): Niederschwellige Anlaufstelle.

6.0 Fazit für die Beratungspraxis

Die Auseinandersetzung mit drogeninduzierten Erektionsstörungen ist ein wesentlicher Baustein einer ganzheitlichen und schadensmindernden Suchtberatung. Die drei Kernbotschaften:

  1. Physiologie anerkennen: Es ist Chemie, kein Versagen.
  2. Teufelskreis brechen: Wissen schützt vor Angst.
  3. Lebensgefahr benennen: Keine Mischung mit Potenzmitteln!

📚 Wissenschaftliche Quellen & Referenzen

Lokale Drogen- und Suchtberatungsstellen.

Fachliteratur zur Vasokonstriktion durch Stimulanzien:

Medscape & UpToDate: Medizinische Datenbanken, die die sympathomimetischen Effekte von Amphetaminen und Kokain auf das Herz-Kreislauf-System detailliert beschreiben.

Shamloul, R. (2010). Erectile dysfunction in the Middle East. Therapeutic advances in urology. (Diskutiert Drogenkonsum als Risikofaktor für ED).

Warnungen vor der Kombination mit PDE-5-Hemmern (Viagra® & Co.):

Klinische Fallberichte in Journals wie dem American Journal of Cardiology zu Myokardinfarkten nach der Einnahme von Sildenafil in Kombination mit Stimulanzien.

Veröffentlichungen von Harm-Reduction-Projekten und Drug-Checking-Initiativen, die explizit vor dieser lebensgefährlichen Kombination warnen.

Psychogene Erektionsstörungen & Sexuelle Gesundheit:

pro familia: Deutsche Gesellschaft für Familienplanung, Sexualpädagogik und Sexualberatung e.V. Bietet bundesweit anonyme Beratung an.

Deutsche Gesellschaft für Sexualmedizin, Sexualtherapie und Sexualwissenschaft (DGSMTW)

Hilfsangebote bei Drogenkonsum:

Info-Telefon Sucht & Drogen: 01806 313031


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