Naltrexon: Der Schutzschild gegen den Rückfall

Naltrexon: Der Schutzschild gegen den Rückfall


Hey Du,

heute reden wir über ein Medikament, das ein mächtiges Werkzeug im Kampf gegen die Sucht sein kann, aber oft mit einem anderen, lebensrettenden Notfallmedikament verwechselt wird: Naltrexon.

Es ist kein Opioid, es macht nicht high und es ist kein Entzugsmittel. Was ist es dann? Es ist ein Schutzschild für deine Nüchternheit. Lass uns aufklären, was Naltrexon kann und was nicht.

Naltrexon vs. Naloxon: Der wichtigste Unterschied! 🚑 vs. 🛡️

Das ist die wichtigste Lektion, die du mitnehmen musst. Obwohl die Namen ähnlich klingen, haben sie völlig unterschiedliche Aufgaben:

  • Naloxon (Narcan®): Das NOTFALLMEDIKAMENTNaloxon ist ein kurz- und schnellwirksamer Blocker. Seine einzige Aufgabe ist es, bei einer akuten Opioid-Überdosis die Opioide von den Rezeptoren zu kicken, um die Atmung wieder in Gang zu bringen und ein Leben zu retten. Es ist die Feuerwehr.
  • Naltrexon (ReVia®, Vivitrol®): Die RÜCKFALLPRÄVENTIONNaltrexon ist ein langwirksamer Blocker. Es wird NACH der Entgiftung eingesetzt, um einen Rückfall zu verhindern. Es besetzt die Opioid-Rezeptoren über einen langen Zeitraum, sodass Drogen ihre Wirkung verlieren. Es ist die Brandmauer.

Merke: Naloxon rettet dich im Moment der Überdosis, Naltrexon schützt dich vor dem nächsten Rausch.


Eine klare Infografik mit zwei Symbolen. Links ein Rettungswagen oder ein Defibrillator mit der Aufschrift "NALOXON - Notfallrettung". Rechts ein großer, starker Schild mit der Aufschrift "NALTREXON - Langzeitschutz". Symbolisiert den fundamentalen Unterschied. "Unterschied Naloxon Naltrexon", "Opioid-Antagonist", "Notfallmedikament Überdosis"

Wie wirkt Naltrexon genau? Der „High-Blocker“ 🧠

Naltrexon ist ein reiner Opioid-Antagonist. Das bedeutet, es setzt sich auf die Opioid-Rezeptoren in deinem Gehirn, ohne sie zu aktivieren. Es blockiert sie einfach.

  • Bei Opioidsucht: Wenn du nach der Entgiftung Naltrexon nimmst und dann Heroin oder andere Opioide konsumieren würdest, passiert… nichts. Der euphorische Kick bleibt aus, weil die Droge nicht mehr andocken kann. Das nimmt dem Konsum den Reiz.
  • Bei Alkoholsucht: Alkohol sorgt im Gehirn unter anderem für die Ausschüttung von körpereigenen Opioiden (Endorphinen), was zum Wohlgefühl beiträgt. Naltrexon blockiert diesen Effekt. Der Alkohol „wirkt“ zwar noch (man wird betrunken), aber das typische warme, euphorische Belohnungsgefühl wird stark gedämpft. Das reduziert das Verlangen („Craving“) und hilft, schwere Trinkexzesse zu verhindern.

Anwendung & Formen: Von der Pille bis zum Implantat 💊

Naltrexon muss immer von einem Arzt verschrieben werden und die Therapie sollte von Beratung begleitet werden.

  • Tabletten (z.B. ReVia®): Werden täglich eingenommen. Erfordert eine hohe Disziplin.
  • Monatsspritze (Vivitrol®): Eine Injektion mit verlängerter Wirkstofffreisetzung, die einmal im Monat verabreicht wird. Ein großer Vorteil, da die tägliche Entscheidung für oder gegen die Tablette entfällt.
  • Implantate: In einigen Ländern gibt es auch Naltrexon-Implantate, die unter die Haut gesetzt werden und den Wirkstoff über mehrere Monate abgeben.

WICHTIG: Vor Beginn der Naltrexon-Therapie musst du vollständig von allen Opioiden entgiftet sein (meist 7-14 Tage). Würdest du Naltrexon nehmen, während noch Opioide in deinem System sind, würde es einen sofortigen, schweren Turbo-Entzug auslösen.


Eine stilisierte Grafik eines Gehirn-Rezeptors. Ein Naltrexon-Molekül sitzt wie ein passgenauer Deckel auf dem Rezeptor und blockiert ihn. Ein Opioid-Molekül prallt daran ab. "Wirkungsweise Naltrexon", "Opioid-Rezeptor-Antagonist", "High-Blocker"

Risiken & Nebenwirkungen

Naltrexon selbst hat kein Suchtpotenzial. Die häufigsten Nebenwirkungen sind oft zu Beginn der Behandlung spürbar:

  • Übelkeit, Bauchschmerzen
  • Kopfschmerzen, Schwindel
  • Nervosität, Schlafstörungen

In seltenen Fällen kann es bei hohen Dosen zu Leberschäden kommen, weshalb die Leberwerte regelmäßig kontrolliert werden sollten.

Fazit: Ein Schild für deine Recovery, keine Wunderpille

Naltrexon ist ein extrem wertvolles Werkzeug in der Suchttherapie. Es kann dir den nötigen Schutzschild geben, um in der kritischen Zeit nach der Entgiftung stabil zu bleiben und Rückfälle zu verhindern. Es ist aber keine „Heilung“ an sich.

Es funktioniert am besten als Teil eines umfassenden Plans, der Psychotherapie, Selbsthilfegruppen und eine ehrliche Auseinandersetzung mit den Ursachen der Sucht beinhaltet. Es gibt dir die Chance, ohne den ständigen Suchtdruck an dir zu arbeiten.


Häufige Fragen (FAQ) zum Thema Naltrexon


Kann ich Naltrexon nehmen, um eine Opioid-Überdosis zu stoppen?

Nein, auf keinen Fall! Naltrexon wirkt zu langsam und ist nicht für den Notfall gedacht. Das Notfallmedikament zur Umkehrung einer Opioid-Überdosis ist Naloxon (z.B. als Narcan® Nasenspray). Das ist der entscheidende Unterschied!

Muss ich komplett abstinent sein, um Naltrexon bei Alkoholsucht zu nehmen?

Nicht zwingend. Naltrexon wird oft im Rahmen der Schadensminimierung (Harm Reduction) eingesetzt. Ziel kann auch sein, die Anzahl der schweren Trinktage zu reduzieren. Indem es die belohnende Wirkung des Alkohols dämpft, hilft es vielen, die Kontrolle über die Menge zu behalten und Trinkexzesse zu vermeiden.

Warum muss ich vor der Einnahme von Naltrexon komplett von Opioiden entgiftet sein?

Weil Naltrexon ein Opioid-Blocker ist. Wenn du es einnimmst, während noch Opioide (wie Heroin, Methadon, Tilidin etc.) an deinen Rezeptoren andocken, kickt das Naltrexon diese schlagartig weg. Das löst einen sofortigen, sehr heftigen und potenziell gefährlichen Entzug aus. Dein Körper muss erst „leer“ von Opioiden sein, bevor du mit der Blocker-Therapie beginnen kannst.


Über den Autor: NeelixberliN

Über Gabriel Maetz

NeelixberliN teilt hier seine persönliche und ungefilterte Erfahrung auf dem Weg aus der Sucht. Nach Jahren der Abhängigkeit, unter anderem von Polamidon, kämpft er sich Tag für Tag zurück ins Leben. Dieser Blog ist sein persönliches Logbuch, eine Hilfe für sich selbst und hoffentlich auch eine stütze für andere, die einen ähnlichen Kampf führen.

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