Vertrauen aufbauen nach der Sucht: Dein Guide zurück zur Verbindung

Vertrauen aufbauen nach der Sucht: Dein Guide zurück zur Verbindung


Hey Du,

Sucht ist eine Krankheit, die nicht nur den Körper und die Seele zerstört, sondern auch das, was uns als Menschen ausmacht: unsere Beziehungen. Lügen, gebrochene Versprechen, Unzuverlässigkeit – das Gift der Sucht zerfrisst das Vertrauen von Freunden, Partnern und der Familie.

Nachdem der Rausch weg ist, bleibt oft ein Trümmerfeld zurück. Wie kann man auf diesem Feld wieder etwas aufbauen? Wie kann man Vertrauen zurückgewinnen, das man selbst mit Füßen getreten hat? Es ist ein langer, harter Weg, aber er ist möglich.

Warum die Sucht Vertrauen zerstört: Die Mechanismen

Vertrauensverlust ist kein böser Wille deiner Angehörigen, sondern die logische Konsequenz des Suchtverhaltens:

  • Die Lüge als Werkzeug: Du lügst, um deinen Konsum zu verbergen, um an Geld zu kommen, um Konsequenzen zu vermeiden.
  • Gebrochene Versprechen: Jedes „Ich schwöre, es war das letzte Mal“ wird zu einer weiteren Enttäuschung.
  • Erinnerungslücken: Du kannst dich wirklich nicht an Dinge erinnern, die du gesagt oder getan hast. Für andere wirkt das wie eine dreiste Ausrede.
  • Unberechenbarkeit: Dein Verhalten wird durch die Droge gesteuert, nicht mehr durch deine Werte. Du bist nicht mehr du selbst.

Das Ergebnis ist ein Teufelskreis aus Misstrauen, Kontrolle und neuen Konflikten, der dich oft noch tiefer in die Sucht treibt.


Eine Grafik, die eine einst stabile Brücke zwischen zwei Personen zeigt. Die Brücke ist aber in der Mitte zerbrochen und eingestürzt. Symbolisiert den Vertrauensbruch in der Beziehung. "Vertrauensverlust durch Sucht", "zerstörte Beziehungen", "Vertrauen wieder aufbauen"

Der Weg zurück: Vertrauen kann man nicht fordern, nur verdienen

Der Wiederaufbau von Vertrauen ist ein Prozess, der Zeit, Geduld und vor allem Taten erfordert. Worte allein sind wertlos geworden.

Schritt 1: Das Fundament – Vertrauen in dich selbst

Bevor dir andere wieder vertrauen können, musst du dir selbst wieder vertrauen lernen. Sucht geht fast immer mit tiefem Selbsthass und Selbstzweifeln einher. Akzeptiere, dass du krank bist, übernimm die Verantwortung (nicht die Schuld!) und erkenne deine Stärken an. Dieses neue Selbstvertrauen ist die Basis für alles Weitere.

Schritt 2: Der Bauplan – Konkrete Taten statt leere Worte

Vertrauen wird durch konsistentes, verlässliches Handeln aufgebaut.

  • Radikale Ehrlichkeit: Sei schonungslos ehrlich – zu dir selbst und zu anderen. Gib Fehler zu. Sprich über deine Gefühle, Ängste und den Suchtdruck.
  • Verlässlichkeit im Kleinen: Sei pünktlich. Halte kleine Versprechen. Erledige die Aufgaben, die du zusagst. Jede eingehaltene Zusage ist ein Stein in der neuen Vertrauensmauer.
  • Transparenz & Offenheit: Lass andere an deinem Genesungsweg teilhaben. Geh offen zu deiner Selbsthilfegruppe. Zeig deinen Therapieplan. Offenheit schafft Sicherheit.
  • Geduld und Akzeptanz: Akzeptiere ein „Nein“. Akzeptiere, dass andere Zeit brauchen und vielleicht skeptisch sind. Dränge niemanden.

Dieselbe Grafik wie zuvor, aber die beiden Personen arbeiten nun gemeinsam daran, die zerbrochene Brücke Stein für Stein wieder aufzubauen. Die Arbeit ist mühsam, aber es entsteht etwas Neues. "Vertrauen wieder aufbauen", "Beziehung heilen", "gemeinsamer Weg"

Die Rolle der Angehörigen: Loslassen und Grenzen setzen

Auch für Familie und Freunde ist es ein Lernprozess. Ihre Aufgabe ist es nicht, zu kontrollieren, sondern zu unterstützen.

  • Co-Abhängigkeit beenden: Angehörige müssen aufhören, die Probleme des Süchtigen zu lösen.
  • Klare Grenzen setzen: Gesunde Grenzen schützen beide Seiten. Die „KLAR“-Regeln sind hier eine gute Hilfe: Konsequenz, Loslassen, Abgrenzen, Reden.
  • Sich selbst Hilfe suchen: Sucht ist eine Familienkrankheit. Auch Angehörige brauchen Unterstützung, z.B. in Selbsthilfegruppen wie Al-Anon oder Nar-Anon.

Fazit: Ein Marathon, kein Sprint

Vertrauen wieder aufzubauen ist ein Marathon, kein Sprint. Es wird Rückschläge geben. Es wird Momente des Zweifels geben – auf beiden Seiten.

Der Schlüssel ist konsequentes, ehrliches Handeln über einen langen Zeitraum. Jeder Tag, an dem deine Taten deinen Worten entsprechen, ist ein gewonnener Tag. Aber sei auch gnädig mit dir selbst: Verbiege dich nicht unendlich. Wenn Menschen deine neue, ehrliche Art auf Dauer nicht schätzen oder glauben können, gib ihnen Zeit – oder wende dich denjenigen zu, die dich so nehmen, wie du heute bist.


Weiterführende Buchtipps

Wenn Du tiefer in dieses Thema eintauchen möchtest, kann ich Dir diese beiden Bücher wärmstens empfehlen:

Suchtkrank – Bis alles zerbricht? von Tina Franken**

Der zweite Teil, geschrieben von Tina Franken, berichtet aus der Angehörigen-Sicht einer Ehefrau und Mutter über die teils fürchterlichen akuten und langfristigen Verwerfungen, die ein abhängig kranker Mensch in seiner Umgebung auslösen kann – und es meist auch tut. 

Sucht – Hintergründe und Heilung: Abhängigkeit verstehen und überwinden von Heinz-Peter Röhr**

Warum werden Menschen süchtig? Welche Funktion hat das Suchtmittel? Wie können Betroffene mit ihren Scham- und Schuldgefühlen umgehen? Was können Angehörige tun, um ihre enorm schwierige Lebenssituation zu bewältigen?

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Häufige Fragen (FAQ) zum Thema Vertrauen & Sucht

Wie lange dauert es, Vertrauen wieder aufzubauen?

Es gibt keine feste Zeitangabe. Es kann Monate oder sogar Jahre dauern. Vertrauen wird nicht durch eine einzige große Geste wiederhergestellt, sondern durch hunderte von kleinen, verlässlichen Handlungen im Alltag. Es dauert so lange, bis die neuen, positiven Erfahrungen die alten, negativen Erinnerungen überlagert haben.

Was ist, wenn ich einen Rückfall habe? Ist dann alles wieder kaputt?

Ein Rückfall ist ein massiver Rückschlag für das Vertrauen, ja. Aber er muss nicht das Ende bedeuten. Der entscheidende Unterschied ist, wie du damit umgehst. Wenn du den Rückfall sofort und ehrlich kommunizierst, Verantwortung übernimmst und zeigst, was du daraus gelernt hast, kannst du beweisen, dass sich dein grundlegendes Verhalten geändert hat. Das Verheimlichen des Rückfalls ist oft schädlicher für das Vertrauen als der Rückfall selbst.

Mein/e Partner/in kontrolliert mich immer noch, obwohl ich clean bin. Was kann ich tun?

Das ist ein häufiges Problem. Deine Angehörigen sind oft noch im alten „Krisenmodus“ gefangen und müssen ihrerseits lernen, die Kontrolle wieder abzugeben. Sprich das offen und ohne Vorwurf an. Sage zum Beispiel: „Ich verstehe deine Angst, aber deine ständige Kontrolle gibt mir das Gefühl, dass du mir nicht zutraust, es zu schaffen. Das macht es schwerer für mich. Was brauchst du von mir, um mir wieder einen kleinen Vertrauensvorschuss zu geben?“ Manchmal ist hier eine Paar- oder Familientherapie sehr hilfreich.


Über Gabriel Maetz

NeelixberliN teilt hier seine persönliche und ungefilterte Erfahrung auf dem Weg aus der Sucht. Nach Jahren der Abhängigkeit, unter anderem von Polamidon, kämpft er sich Tag für Tag zurück ins Leben. Dieser Blog ist sein persönliches Logbuch, eine Hilfe für sich selbst und hoffentlich auch eine stütze für andere, die einen ähnlichen Kampf führen.

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