Sexsucht: Wenn die Lust zur Last wird – Dein Wegweiser zu Verständnis & Hilfe

Sexsucht: Wenn die Lust zur Last wird – Dein Wegweiser zu Verständnis & Hilfe


Hey Du,

Sex ist eine der schönsten und intimsten Erfahrungen, die wir machen können. Aber was passiert, wenn die Lust zur Last wird? Wenn aus Verlangen ein unkontrollierbarer Zwang wird, der dein Leben, deine Beziehungen und dein Selbstwertgefühl zerstört?

Dann sprechen wir von Sexsucht. Ein Thema, das krass persönlich und mit extremer Scham belegt ist. Aber du bist damit nicht allein. Lass uns offen darüber reden.

Was ist Sexsucht? Der Zwang hinter der Lust ⛓️

Sexsucht ist keine offizielle Diagnose im klassischen Sinne. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat das Problem aber anerkannt und klassifiziert es im ICD-11 als „Zwanghafte sexuelle Verhaltensstörung“.

Es geht nicht darum, ob du eine hohe Libido hast oder gerne Sex hast. Es geht um den Kontrollverlust und den Leidensdruck.

Die Sucht kann sich in vielen Formen zeigen:

  • Zwanghafter Konsum von Pornografie
  • Exzessive Masturbation
  • Ständiger Wechsel von Sexualpartnern (Promiskuität)
  • Häufige Nutzung von Prostitution oder Cybersex
  • Riskantes Sexualverhalten (z.B. ungeschützter Sex)

Der Kern ist immer derselbe: Du musst es tun, um einen inneren Druck oder negative Gefühle (wie Einsamkeit, Stress, Leere, Angst) zu betäuben, obwohl du weißt, dass es dir schadet.


Eine stilisierte Grafik einer Person, die von schweren, unsichtbaren Ketten, die zu Herz- und Sex-Symbolen führen, nach unten gezogen wird. Die Person wirkt gefangen und verzweifelt.  "Sexsucht als Zwang", "zwanghaftes sexuelles Verhalten", "Kontrollverlust"

Die Gehirn-Falle: Warum Sex zur Droge werden kann 🧠

Dein Gehirn lernt. Und es lernt verdammt schnell, was sich gut anfühlt. Sexuelle Erregung und der Orgasmus führen zu einer massiven Ausschüttung des Botenstoffs Dopamin im Belohnungssystem.

Der Dopamin-Teufelskreis

Dein Gehirn merkt sich: Sexueller Akt = schneller, intensiver Dopamin-Kick.

Wenn du beginnst, diesen Kick gezielt einzusetzen, um unangenehme Gefühle zu betäuben, entsteht ein Suchtkreislauf. Du brauchst immer mehr oder immer intensivere sexuelle Reize, um die gleiche „Wirkung“ zu erzielen (Toleranzentwicklung). Gleichzeitig verliert echte, liebevolle Intimität ihren Reiz, weil sie nicht den gleichen extremen, schnellen Kick liefert.

Die Folgen: Von kaputten Beziehungen bis zur totalen Leere 💔

Ein zwanghaftes Sexualverhalten hat massive Konsequenzen:

  • Mentale Gesundheit: Erhöhtes Risiko für Depressionen, Angststörungen, ein zerstörtes Selbstwertgefühl und tiefe Scham- und Schuldgefühle.
  • Beziehungen: Zerstörtes Vertrauen, Unfähigkeit zu echter emotionaler Nähe und Intimität.
  • Sexuelle Probleme: Unzufriedenheit mit „normalem“ Sex, Erektionsstörungen bei echter Intimität (ähnlich wie bei Pornosucht).
  • Soziale Isolation: Rückzug von Freunden und Familie.
  • Gesundheit & Recht: Risiko für sexuell übertragbare Krankheiten oder sogar strafrechtliche Konsequenzen.

Eine Grafik eines Gehirns, in dem das Belohnungszentrum hell aufleuchtet. Ein Pfeil mit einem Sex-Symbol zeigt darauf und verstärkt das Leuchten, während andere Bereiche des Gehirns (z.B. für soziale Bindung, Vernunft) dunkler werden. "Dopamin und Sexsucht", "Belohnungssystem Gehirn", "neurobiologische Ursachen"

Dein Weg Raus: Die Kontrolle zurückgewinnen 💪

Der wichtigste Schritt ist, dass Du Dir eingestehst, dass Du ein Problem hast und etwas ändern willst. Sucht ist eine Krankheit, keine Charakterschwäche.

  • Verstehe deine Trigger: Was löst den Drang aus? Langeweile? Stress? Einsamkeit?
  • Rede darüber: Das ist der schwerste, aber wichtigste Schritt. Sprich mit einer Person, der Du vertraust.
  • Such Dir professionelle Hilfe: Du musst das nicht allein schaffen.

Wo du WIRKLICH Hilfe findest (anonym & professionell) 🙏

Es gibt viele Stellen, an die Du Dich wenden kannst – oft kostenlos und anonym:

  • Suchtberatungsstellen: Suche online nach „Suchtberatung [Deine Stadt]“. Viele kennen sich auch mit Verhaltenssüchten aus.
  • Therapeutensuche: Suche gezielt nach Therapeuten mit Schwerpunkt „Sucht“ oder „Sexsucht/Hypersexualität auf Portalen wie Therapie.de.
  • Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen Betroffenen ist extrem wertvoll. Die bekanntesten sind 12-Schritte-Gruppen (mit spirituellem Bezug, muss man mögen):
    • Sexaholics Anonymous (SA)
    • Sex and Love Addicts Anonymous (SLAA)
  • Telefonseelsorge: Rund um die Uhr erreichbar unter 0800 / 111 0 111.

Fazit: Du verdienst gesunde Intimität

Sexsucht ist ein echtes Problem, das dein Leben zerstören kann. Aber es ist ein Problem, das behandelbar ist. Der erste Schritt ist, ehrlich zu dir selbst zu sein. Der zweite ist, dir Unterstützung zu holen. Du kannst lernen, die Kontrolle zurückzugewinnen und ein Leben mit echter, gesunder und erfüllender Intimität zu führen.


Häufige Fragen (FAQ) zum Thema Sexsucht


Bin ich sexsüchtig, wenn ich eine hohe Libido habe und oft an Sex denke?

Nein, nicht zwangsläufig. Eine hohe Libido ist ein natürliches Verlangen. Der entscheidende Unterschied zur Sucht ist der Kontrollverlust und der Leidensdruck. Genießt du deine Sexualität oder musst du zwanghaft sexuelle Handlungen ausführen, um negative Gefühle zu betäuben? Führt dein Verhalten zu ernsthaften Problemen in deinem Leben? Wenn du es nicht mehr steuern kannst und darunter leidest, ist es ein Warnsignal.

Ist Sexsucht das Gleiche wie Pornosucht?

Sie sind eng verwandt, aber nicht identisch. Bei der Pornosucht steht der zwanghafte Konsum von pornografischem Material im Vordergrund. Bei der Sexsucht geht es um den Zwang zur sexuellen Handlung selbst (mit Partnern, durch Masturbation etc.). Oft gehen beide Hand in Hand. Beide fallen unter die neue klinische Diagnose „Zwanghafte sexuelle Verhaltensstörung“.

Wie finde ich eine Selbsthilfegruppe wie SA oder SLAA?

Am einfachsten findest du Meetings über die offiziellen deutschen Webseiten der Gemeinschaften. Suche online nach „Sexaholics Anonymous Deutschland“ oder „SLAA Deutschland“. Dort gibt es Meeting-Listen für verschiedene Städte sowie Informationen zu Online-Meetings, die einen anonymen ersten Einstieg ermöglichen können.


Über den Autor: NeelixberliN

Über Gabriel Maetz

NeelixberliN teilt hier seine persönliche und ungefilterte Erfahrung auf dem Weg aus der Sucht. Nach Jahren der Abhängigkeit, unter anderem von Polamidon, kämpft er sich Tag für Tag zurück ins Leben. Dieser Blog ist sein persönliches Logbuch, eine Hilfe für sich selbst und hoffentlich auch eine stütze für andere, die einen ähnlichen Kampf führen.

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