Tagebuch: Wenn die Arbeit zur Droge wird & warum ich die Tage nicht mehr zähle

Tagebuch: Wenn die Arbeit zur Droge wird & warum ich die Tage nicht mehr zähle


Guten Morgen Berlin, guten Morgen an den Rest der Welt.

Die Zugriffe auf neelixberlin.de weiten sich weltweit aus. Das zeigt, dass die Probleme mit Sucht und Psyche überall auf der Welt bestehen. Es freut mich sehr, dass ich mit meiner Arbeit immer mehr Menschen erreichen kann.

Ich habe übers Wochenende keinen Tagebuch-Artikel geschrieben. Und sofort fragt sich natürlich jeder: Ist er wieder am Kotti oder böse rückfällig geworden? Aber wie in meinem letzten Artikel über Verhaltenssüchte schon beschrieben, müssen es nicht immer Substanzen sein.

Der Rausch des Erfolgs: Meine Arbeitssucht

Ich bin leider sowas von polytox, mich ergreift alles, was nur irgendwie die Dopamine aus dem Hirn regnen lässt. Und das war dieses Wochenende die Arbeit.

Ich habe in ca. einer Woche über 280 Artikel überarbeitet und ca. 240 neue dazugehörige Podcast-Artikel erstellt. Völlig krank. Aber ich konnte einfach nicht aufhören, weil ich das Gefühl des Erfolges brauchte, zu sehen, wie meine neue KI-SEO-Strategie aufgeht.

Ich fühle mich sonst wie ein „nur“ Substanz-Abhängiger. Die typischen negativen Gedanken, die das Suchthirn sucht, um einen Grund zum Konsumieren zu finden. Der Erfolg bei der Arbeit ist meine aktuelle Droge dagegen.


Eine Person sitzt nachts um 3 Uhr hellwach und mit überdrehten Augen vor einem leuchtenden Laptop. Um sie herum ist alles dunkel. Auf dem Bildschirm sind SEO-Statistiken und Graphen zu sehen, die steil nach oben zeigen. Symbolisiert den Rausch des digitalen Erfolgs. "Arbeitssucht", "Verhaltenssucht", "Dopamin-Kick durch Erfolg"

Warum ich aufhöre, die cleanen Tage zu zählen

Ist es wirklich ehrlich reflektiert, wenn ich sage, ich bin X Tage clean, aber habe diesen Zustand mit einer exzessiven Arbeits- oder Sportsucht ausgeglichen? Für mich ist es das nicht.

  • Ich esse dann kaum.
  • Ich habe extremen Schlafentzug.
  • Die Wohnung verwahrlost, soziale Kontakte werden gemieden.

Ich gebe erst auf, wenn ich vor übermüdeten Augen nichts mehr erkennen kann und das Gehirn mega breit und durcheinander ist. Durch Arbeit!

Die Vision & die Realität: Mein Weg mit NeelixberliN

Dieses Projekt ist mein Anker. Es ist meine ehrenamtliche Selbsttherapie und mein Versuch, anderen zu helfen. Aber auch hier bin ich finanziell wieder so gelandet wie im Drogenkonsum: Ich spare mir das Essen am Munde ab, um das Projekt zu finanzieren.

Und nun muss ich umdenken. Die neue KI-SEO-Strategie ist der Weg. Wenn ich mit dem Projekt zeigen kann, dass ich veraltete Seiten vom Thron stoßen kann, wollen vielleicht auch andere meine Fähigkeiten bezahlt in Anspruch nehmen. So kann neelixberlin.de weiter wachsen und die Inhalte für Betroffene und Angehörige kostenlos halten. Denn die meisten können sich teure Kurse nicht leisten und verzweifeln an langen Wartezeiten.


Ein einzelner, grüner Setzling, der durch einen dunklen, rissigen Betonboden bricht. Symbolisiert die Hoffnung und den Willen, selbst unter den härtesten Bedingungen neu anzufangen. "Neuanfang nach Rückfall", "Hoffnung in der Recovery", "wieder aufstehen"

Mein Plan für die neue Woche

Mein Plan ist daher erstmal, wieder eine gesunde Struktur zu finden. Die Arbeit lasse ich mir nicht nehmen, aber es kann klein anfangen:

  • Nur 1 Artikel bearbeiten.
  • Dann wird Wäsche gewaschen.
  • Der Müll rausgebracht.
  • Achtsamkeit geübt oder ein Buch gelesen.

Einfach wieder mehr für mich tun und langsam Stück für Stück wieder in mein Leben kommen.

Ein letzter Gedanke zu Likes & Support

Um die Frage vorwegzunehmen: Bis heute sind für das Projekt noch keinerlei Spenden eingegangen. Sollte das jemals passieren, werde ich das, wie versprochen, immer sofort transparent hier aufführen – genau so, wofür es dann im Projekt verwendet wird.

Das mit dem Liken und Teilen ärgert mich tatsächlich immer ein wenig, weil ich es bei anderen zur Unterstützung immer mache. Aber ich sehe die Statistiken und weiß, die Arbeit bewirkt etwas. Und ich verstehe jeden, der sich aus Scham nicht öffentlich bekennen will. Die privaten Nachrichten voller Dankbarkeit geben mir die Kraft. Aber vergesst nie: Radikale Ehrlichkeit zu sich selbst und anderen ist der Weg aus der Sucht.

Danke für Deine Zeit in diesem Artikel und bis zum nächsten Tagebuch-Eintrag.


Häufige Fragen (FAQ) zum Thema Recovery & Verhaltenssucht


Warum ist es manchmal sinnvoller, die „cleanen Tage“ nicht zu zählen?

Das Zählen der Tage kann enormen Druck erzeugen. Ein Rückfall führt dann oft zum Gefühl des totalen Versagens („Jetzt sind 100 Tage weg, alles umsonst!“). Der Ansatz „Nur für heute“ oder der Fokus auf die Qualität der Nüchternheit kann den Druck nehmen. Er betont, dass es wichtiger ist, wie man mit einem Ausrutscher umgeht, als eine ununterbrochene Kette von Tagen zu haben.

Ist Arbeitssucht „besser“ als eine Drogensucht?

Gesellschaftlich ist sie anerkannter. Die gesundheitlichen und sozialen Folgen können aber ähnlich verheerend sein: sozialer Rückzug, Vernachlässigung der Familie, extreme Schlafstörungen und ein hohes Risiko für Burnout, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Depressionen. Es ist eine andere Form der Flucht mit ebenso ernsten Konsequenzen.

Wie durchbricht man den Kreislauf einer Verhaltenssucht wie der Arbeitssucht?

Die Mechanismen sind ähnlich wie bei einer Substanzsucht. Es beginnt mit ehrlicher Selbsterkenntnis. Wichtige Schritte sind: 1. Klare Grenzen setzen (z.B. feste Feierabendzeiten). 2. Alternative, gesunde „Belohnungen“ finden (Hobbys, Freunde). 3. Achtsamkeit üben, um den Drang zu erkennen und ihm nicht nachzugeben. 4. Professionelle Hilfe suchen, um die Ursachen (z.B. geringer Selbstwert) zu bearbeiten.


Über Gabriel Maetz

NeelixberliN teilt hier seine persönliche und ungefilterte Erfahrung auf dem Weg aus der Sucht. Nach Jahren der Abhängigkeit, unter anderem von Polamidon, kämpft er sich Tag für Tag zurück ins Leben. Dieser Blog ist sein persönliches Logbuch, eine Hilfe für sich selbst und hoffentlich auch eine stütze für andere, die einen ähnlichen Kampf führen.

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