Hey Du,
Drogen versprechen oft mehr: intensiveren Sex, weniger Hemmungen, tiefere Verbindungen. Aber die harte Wahrheit ist: Am Ende zerstören sie genau das, was wir suchen – echte Intimität und eine gesunde Sexualität.
Der Konsum von Substanzen ist untrennbar mit unserer Libido, unserer Leistungsfähigkeit und unserer Fähigkeit, Nähe zuzulassen, verknüpft. Lass uns ehrlich darüber reden, was Drogen mit dem vielleicht intimsten Teil unseres Lebens machen.
Sex auf Drogen: Ein kurzer Kick, ein langer Kater 💊
Jede Droge hat ihre eigene, spezifische Wirkung auf Sex. Meistens ist es ein kurzfristiger „Vorteil“, der mit einem hohen langfristigen Preis bezahlt wird.
Upper (Koks, Speed, MDMA): Mehr Lust, weniger Funktion
- Die Wirkung: Stimulanzien steigern die Libido, das Selbstbewusstsein und die Ausdauer. MDMA (Ecstasy) flutet das Gehirn zusätzlich mit dem „Bindungshormon“ Oxytocin und erzeugt ein Gefühl tiefer Verbundenheit.
- Die Schattenseite: Der „Amphetamin-Penis“ ist real. Die Gefäße verengen sich, eine Erektion wird schwer oder unmöglich. Langfristig führen Upper zu Erektionsstörungen, Lustlosigkeit und der Unfähigkeit, ohne Stoff sexuell erregt zu werden.
Downer (Heroin, Opiate, Benzos): Der totale Libido-Killer
- Die Wirkung: Diese Substanzen dämpfen alles – auch die sexuelle Lust. Sie senken den Testosteronspiegel, machen müde und gleichgültig.
- Die Schattenseite: Chronischer Opioid-Konsum führt fast immer zu einem kompletten Verlust der Libido, Erektionsstörungen und der Unfähigkeit, einen Orgasmus zu erreichen. Echte sexuelle Nähe wird irrelevant.
Alkohol & Cannabis: Zwischen Enthemmung und Versagen
- Die Wirkung: In kleinen Dosen senken sie die Hemmschwelle und können die Sinne schärfen.
- Die Schattenseite: Schon bei mittleren Dosen leidet die körperliche Funktion massiv. Alkohol ist einer der häufigsten Gründe für temporäre Erektionsstörungen. Cannabis kann zu Paranoia und emotionaler Distanz während des Sex führen.

Das Gehirn im Rausch: Warum die Droge die echte Verbindung kapert 🧠
Sucht und Intimität sind direkte Konkurrenten im Gehirn.
- Das Belohnungssystem wird gekapert: Drogen sorgen für einen unnatürlich hohen Dopamin-Kick. Dein Gehirn lernt schnell: „Warum sich die Mühe für die sanfte Belohnung von echter Nähe machen, wenn ich den 100-fachen Kick aus der Pille haben kann?“ Natürliche Freuden wie Sex und Zärtlichkeit fühlen sich im Vergleich „langweilig“ an.
- Das Bindungssystem wird gestört: Chronischer Drogenkonsum kann das Oxytocin-System stören. Das ist das Hormon, das für Vertrauen, Empathie und tiefe emotionale Bindungen zuständig ist. Wenn dieses System im Ungleichgewicht ist, verlieren wir die Fähigkeit, uns wirklich auf einen anderen Menschen einzulassen.
Spezialfall Chemsex: Wenn Drogen zum Sex dazugehören 🧪
Chemsex beschreibt den gezielten Konsum von Drogen – meist Crystal Meth, Mephedron und GHB/GBL – um enthemmte, stundenlange Sex-Sessions zu ermöglichen.
Es ist oft der Versuch, mit inneren Konflikten wie internalisierter Homophobie, Scham oder Bindungsangst umzugehen. Doch dieser Weg führt extrem schnell in eine doppelte Abhängigkeit von den Substanzen und dem damit verbundenen sexuellen Verhalten. Die Risiken für psychische Krisen, Überdosierungen und die Übertragung von Krankheiten sind hier enorm hoch.

Der Weg zurück: Sexualität in der Recovery neu lernen ❤️🩹
Nach dem Entzug ist der Körper und die Psyche im Ausnahmezustand. Die Libido kann komplett verschwunden sein oder im Gegenteil als Ersatzbefriedigung ins Extreme ausschlagen.
Heilung bedeutet, Intimität neu zu lernen:
- Geduld haben: Es dauert Monate, bis sich die Gehirnchemie und der Hormonhaushalt wieder normalisiert haben.
- Kommunikation: Sprich offen mit deinem Partner über deine Ängste, die fehlende Lust oder den Leistungsdruck.
- Intimität von Sex trennen: Lernt, euch wieder ohne sexuellen Druck nahe zu sein. Kuscheln, Massagen, tiefe Gespräche.
- Allein anfangen: Lerne, dich und deinen eigenen Körper nüchtern wieder zu spüren und zu akzeptieren.
- Professionelle Hilfe: Scheue dich nicht, diese Themen in einer Therapie oder Suchtberatung anzusprechen.
Fazit: Echte Verbindung statt künstlicher Rausch
Drogen versprechen eine Abkürzung zu intensiver Lust und Nähe, aber am Ende sind sie der direkteste Weg in die Isolation und emotionale Verarmung. Der Weg zurück zu einer gesunden, nüchternen Sexualität ist eine der größten, aber auch lohnendsten Herausforderungen in der Recovery. Er führt zurück zu dir selbst und zu echten, tragfähigen Beziehungen.
Häufige Fragen (FAQ) zum Thema Sucht & Sexualität
Mein(e) Partner(in) will nur noch Sex auf Drogen. Ist unsere Beziehung am Ende?
Nicht zwangsläufig, aber es ist ein ernstes Alarmsignal. Es zeigt, dass die Droge bereits die natürliche Intimität ersetzt hat. Der Schlüssel ist eine offene, aber grenzensetzende Kommunikation. Mache klar, dass du eine nüchterne Beziehung und Intimität möchtest. Wenn dein Partner dazu nicht bereit ist und sich keine Hilfe sucht, musst du dich selbst schützen. Professionelle Hilfe (Paarberatung, Suchtberatung für Angehörige) ist hier oft unerlässlich.
Ich bin seit einiger Zeit clean, habe aber gar keine Lust mehr auf Sex. Ist das normal?
Ja, das ist sehr normal und eine häufige Erfahrung in der frühen Recovery. Dein Gehirn und dein Hormonsystem brauchen Zeit, um sich neu zu kalibrieren. Gib dir und deinem Körper diese Zeit ohne Druck. Die Libido kehrt bei den meisten Menschen nach einigen Monaten der Abstinenz langsam wieder zurück.
Wo finde ich spezielle Hilfe zum Thema „Chemsex“?
„Chemsex“ ist eine spezielle Form der Sucht, die spezialisierte Hilfe erfordert. Viele Drogenberatungsstellen in Großstädten (z.B. die Berliner Aidshilfe oder die Schwulenberatung Berlin) haben eigene, explizite „Chemsex“-Beratungsangebote, die die Zusammenhänge von Sexualität, Identität und Drogenkonsum verstehen.