Substitol: Retardiertes Morphin als Anker in der Suchttherapie

Substitol: Retardiertes Morphin als Anker in der Suchttherapie


Hey Du,

heute reden wir über ein Medikament, das für viele Opioidabhängige in Deutschland und Österreich eine wichtige Alternative zu Methadon darstellt: Substitol®.

Es ist im Grunde reines Morphin in einer Kapsel, aber mit einem entscheidenden Unterschied: Es ist retardiert. Was das bedeutet und welche Rolle es als zweischneidiges Schwert zwischen Schmerztherapie und Suchtbehandlung spielt, schauen wir uns jetzt genau an.

Was ist Substitol & wie wirkt es? 💊

Substitol ist ein starkes Opioid-Schmerzmittel. Der Wirkstoff ist Morphinsulfat.

  • Retard-Wirkung: Das ist der Schlüssel. „Retardiert“ bedeutet, der Wirkstoff wird nicht auf einmal, sondern langsam und kontrolliert über einen langen Zeitraum (meist 12-24 Stunden) an den Körper abgegeben.
  • Wirkungsweise: Wie jedes Morphin-Präparat dockt es an die μ-Opioid-Rezeptoren im Gehirn an. Das unterdrückt Schmerzsignale, dämpft das zentrale Nervensystem und erzeugt ein Gefühl der Ruhe.

Eine stilisierte Grafik, die eine Kapsel zeigt. Aus der Kapsel treten langsam und gleichmäßig über viele Stunden hinweg kleine Wirkstoff-Moleküle aus. Symbolisiert die Retard-Wirkung. "Retard-Wirkung erklärt", "Substitol Kapsel", "langsame Wirkstofffreisetzung"

Die zwei Gesichter der Anwendung

Substitol hat zwei Hauptanwendungsgebiete:

  1. Starke chronische Schmerzen: Besonders in der Krebstherapie, wenn eine konstante Schmerzlinderung über den ganzen Tag nötig ist.
  2. Substitutionstherapie: Das ist der für uns entscheidende Punkt. Es wird als Ersatzdroge für Heroinabhängige eingesetzt.

Warum Substitol statt Methadon?

Substitol (retardiertes Morphin) gilt in der Substitutionstherapie oft als „näher am Original“ (Heroin ist ein Morphin-Derivat). Viele Patienten berichten, dass sie sich darunter „klarer“ und weniger „benebelt“ fühlen als unter Methadon. Außerdem wird ihm ein geringeres Missbrauchspotenzial und eine höhere Sicherheit bei Überdosierungen im Vergleich zu Methadon nachgesagt.

Die Risiken: Wenn aus dem Medikament eine Droge wird ☠️

Trotz des medizinischen Nutzens ist und bleibt Substitol ein hochpotentes Opioid mit massiven Risiken.

WARNUNG: TÖDLICHE GEFAHR DURCH MANIPULATION! 🚨

Der Retard-Effekt ist ein Sicherheitsmechanismus. Viele User umgehen diesen jedoch, indem sie die Kapseln öffnen, die kleinen Kügelchen darin zermahlen und das Pulver schnupfen oder intravenös spritzen.

Das ist extrem lebensgefährlich. Die gesamte Dosis für 12-24 Stunden flutet auf einmal im Gehirn an. Das Ergebnis ist ein starker Rausch, aber vor allem ein massiv erhöhtes Risiko für eine tödliche Überdosis durch Atemstillstand.

Zusätzlich enthalten die Kapseln Hilfsstoffe wie Talkum, die beim Spritzen zu schweren Venenschäden, Abszessen und Embolien führen können.

Weitere Risiken:

  • Hohes Suchtpotenzial: Es macht stark körperlich und psychisch abhängig.
  • Entzug: Der Entzug ist ein klassischer, qualvoller Opiat-Entzug.
  • Mischkonsum: Die Kombination mit Alkohol oder Benzodiazepinen ist lebensgefährlich.

Eine Nahaufnahme einer geöffneten Substitol-Kapsel, aus der die kleinen Retard-Kügelchen rieseln. Daneben liegen eine Rasierklinge und eine Spritze, die den Missbrauch symbolisieren. Über dem Bild ist ein großes, rotes Warnsymbol "Substitol Missbrauch", "Retard-Tabletten zerkleinern", "intravenöser Konsum"

Recht & Fazit: Ein streng kontrolliertes Werkzeug

  • Rechtliches: Substitol unterliegt in Deutschland den strengsten Regelungen des Betäubungsmittelgesetzes (BtMG). Es kann nur von spezialisierten Ärzten auf einem BtM-Rezept verschrieben werden, und die Abgabe wird streng dokumentiert.
  • Fazit: Substitol ist für viele substituierte Patienten eine wirksame und gut verträgliche Alternative zu Methadon. Es ermöglicht ihnen ein stabileres Leben. Gleichzeitig birgt es bei unsachgemäßer Anwendung oder Manipulation ein enormes Missbrauchs- und Überdosierungsrisiko. Es ist ein wichtiges Werkzeug in der Hand von Ärzten, das absoluten Respekt erfordert und niemals auf die leichte Schulter genommen werden darf.

Häufige Fragen (FAQ) zum Thema Substitol


Ist Substitol das Gleiche wie Morphin?

Ja, der Wirkstoff in Substitol ist Morphinsulfat. Der entscheidende Unterschied ist die Darreichungsform. Substitol ist ein Retardpräparat, das heißt, der Wirkstoff wird langsam und kontrolliert über viele Stunden freigesetzt. Dies verhindert den schnellen „Kick“ und sorgt für einen gleichmäßigen Wirkspiegel, was in der Substitutionstherapie erwünscht ist.

Warum ist das Spritzen von zerkleinertem Substitol so gefährlich?

Aus zwei Gründen: Erstens umgeht man den Retard-Mechanismus, wodurch die gesamte Dosis für bis zu 24 Stunden auf einmal im Gehirn ankommt. Das Risiko einer tödlichen Atemdepression ist dadurch extrem hoch. Zweitens enthalten die Kapseln Hilfsstoffe (wie Talkum), die nicht für die Injektion gedacht sind. Sie verstopfen die Venen und können zu schweren Entzündungen, Abszessen und lebensgefährlichen Embolien führen.

Ist Substitol „besser“ als Methadon?

Das ist sehr individuell. Einige Patienten fühlen sich unter Substitol „klarer“ im Kopf und haben weniger Nebenwirkungen wie Schwitzen. Methadon hat eine längere Halbwertszeit und kann bei manchen Patienten stabiler wirken. Die Entscheidung, welche Substanz besser geeignet ist, muss immer individuell von einem erfahrenen Suchtmediziner zusammen mit dem Patienten getroffen werden.


Über den Autor: NeelixberliN

Über Gabriel Maetz

NeelixberliN teilt hier seine persönliche und ungefilterte Erfahrung auf dem Weg aus der Sucht. Nach Jahren der Abhängigkeit, unter anderem von Polamidon, kämpft er sich Tag für Tag zurück ins Leben. Dieser Blog ist sein persönliches Logbuch, eine Hilfe für sich selbst und hoffentlich auch eine stütze für andere, die einen ähnlichen Kampf führen.

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